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July 14 2017

11:56

G20: Stellungnahme von Gewerbetreibenden aus der Schanze

krtkundklnkberln:


Nach dem der notorisch auf 180 gedrehte, wohlstands-sonnengebräunte innenpolitische Sprecher der CDU Bosbach, der bereits im Vorfeld seine Wüterichkeit mühevoll in sich halten musste, schnaubend aus der Maischberger-Sendung zum Thema G20-Krawalle dampfte, nach dem Jutta Ditfurth (die meiner Meinung nach lediglich von ihren Erfahrungen sprach, die sie VOR ORT sammelte) wiederholt seinen kleinen Polizeibeamten (ebenso CDU-Mitglied und der nichts anderes tat, als jede Kritik an der Polizei für “unerträglich” zu halten) neben ihr Kontra bot und eine angeblich ebenso “unerträgliche”, “nicht den mitteleuropäischen Umgangsformen” entsprechendem Diskussionsstil gehabt haben soll und Maischberger unbeholfen und zerknirscht ihre Sendung zu Ende moderierte, nun ein wenig mehr Differenzierung, Jutta Ditfurth sprach es an: Die Gewerbetreibenden des Schanzenviertels in Hamburg gaben sich eine Stimme und gaben folgende Stellungnahme ab:

“Wir, einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des Hamburger Schanzenviertels, sehen uns genötigt, in Anbetracht der Berichterstattung und des öffentlichen Diskurses, unsere Sicht der Ereignisse zu den Ausschreitungen im Zuge des G20-Gipfels zu schildern.

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 2017 tobte eine Menge für Stunden auf der Straße, plünderte einige Läden, bei vielen anderen gingen die Scheiben zu Bruch, es wurden brennende Barrikaden errichtet und mit der Polizei gerungen.
Uns fällt es in Anbetracht der Wahllosigkeit der Zerstörung schwer, darin die Artikulation einer politischen Überzeugung zu erkennen, noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt.
Wir beobachteten das Geschehen leicht verängstigt und skeptisch vor Ort und aus unseren Fenstern in den Straßen unseres Viertels.

Aber die Komplexität der Dynamik, die sich in dieser Nacht hier Bahn gebrochen hat, sehen wir weder in den Medien noch bei der Polizei oder im öffentlichen Diskurs angemessen reflektiert.
Ja, wir haben direkt gesehen, wie Scheiben zerbarsten, Parkautomaten herausgerissen, Bankautomaten zerschlagen, Straßenschilder abgebrochen und das Pflaster aufgerissen wurde.
Wir haben aber auch gesehen, wie viele Tage in Folge völlig unverhältnismäßig bei jeder Kleinigkeit der Wasserwerfer zum Einsatz kam. Wie Menschen von uniformierten und behelmten Beamten ohne Grund geschubst oder auch vom Fahrrad geschlagen wurden.
Tagelang.
Dies darf bei der Berücksichtigung der Ereignisse nicht unter den Teppich gekehrt werden.

Zum Höhepunkt dieser Auseinandersetzung soll in der Nacht von Freitag und Samstag nun ein „Schwarzer Block“ in unserem Stadtteil gewütet haben.
Dies können wir aus eigener Beobachtung nicht bestätigen, die außerhalb der direkten Konfrontation mit der Polizei nun von der Presse beklagten Schäden sind nur zu einem kleinen Teil auf diese Menschen zurückzuführen.

Der weit größere Teil waren erlebnishungrige Jugendliche sowie Voyeure und Partyvolk, denen wir eher auf dem Schlagermove, beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert über den Weg laufen würden als auf einer linksradikalen Demo.
Es waren Betrunkene junge Männer, die wir auf dem Baugerüst sahen, die mit Flaschen warfen – hierbei von einem geplanten „Hinterhalt“ und Bedrohung für Leib und Leben der Beamten zu sprechen, ist für uns nicht nachvollziehbar.
Überwiegend diese Leute waren es auch, die – nachdem die Scheiben eingeschlagen waren – in die Geschäfte einstiegen und beladen mit Diebesgut das Weite suchten.
Die besoffen in einem Akt sportlicher Selbstüberschätzung mit nacktem Oberkörper aus 50 Metern Entfernung Flaschen auf Wasserwerfer warfen, die zwischen anderen Menschen herniedergingen, während Herumstehende mit Bier in der Hand sie anfeuerten und Handyvideos machten.

Es war eher die Mischung aus Wut auf die Polizei, Enthemmung durch Alkohol, der Frust über die eigene Existenz und die Gier nach Spektakel – durch alle anwesenden Personengruppen hindurch –, die sich hier Bahn brach.

Das war kein linker Protest gegen den G20-Gipfel. Hier von linken AktivistInnen zu sprechen wäre verkürzt und falsch.
Wir haben neben all der Gewalt und Zerstörung gestern viele Situationen gesehen, in denen offenbar gut organisierte, schwarz gekleidete Vermummte teilweise gemeinsam mit Anwohnern eingeschritten sind, um andere davon abzuhalten, kleine, inhabergeführte Läden anzugehen. Die anderen Vermummten die Eisenstangen aus der Hand nahmen, die Nachbarn halfen, ihre Fahrräder in Sicherheit zu bringen und sinnlosen Flaschenbewurf entschieden unterbanden. Die auch ein Feuer löschten, als im verwüsteten und geplünderten „Flying Tiger Copenhagen“ Jugendliche versuchten, mit Leuchtspurmunition einen Brand zu legen, obwohl das Haus bewohnt ist.

Es liegt nicht an uns zu bestimmen, was hier falsch gelaufen ist, welche Aktion zu welcher Reaktion geführt hat.
Was wir aber sagen können: Wir leben und arbeiten hier, bekommen seit vielen Wochen mit, wie das „Schaufenster moderner Polizeiarbeit“ ein Klima der Ohnmacht, Angst und daraus resultierender Wut erzeugt.
Dass diese nachvollziehbare Wut sich am Wochenende nun wahllos, blind und stumpf auf diese Art und Weise artikulierte, bedauern wir sehr. Es lässt uns auch heute noch vollkommen erschüttert zurück.

Dennoch sehen wir den Ursprung dieser Wut in der verfehlten Politik des Rot-Grünen Senats, der sich nach Außen im Blitzlichtgewitter der internationalen Presse sonnen möchte, nach Innen aber vollkommen weggetaucht ist und einer hochmilitarisierten Polizei das komplette Management dieses Großereignisses auf allen Ebenen überlassen hat.
Dieser Senat hat der Polizei eine „Carte Blanche“ ausgestellt – aber dass die im Rahmen eines solchen Gipfels mitten in einer Millionenstadt entstehenden Probleme, Fragen und sozialen Implikationen nicht nur mit polizeitaktischen und repressiven Mitteln beantwortet werden können, scheint im besoffenen Taumel der quasi monarchischen Inszenierung von Macht und Glamour vollkommen unter den Tisch gefallen zu sein.
Dass einem dies um die Ohren fliegen muss, wäre mit einem Mindestmaß an politischem Weitblick absehbar gewesen.
Wenn Olaf Scholz jetzt von einer inakzeptablen „Verrohung“, der wir „uns alle entgegenstellen müssen“, spricht, können wir dem nur beizupflichten.

Dass die Verrohung aber auch die Konsequenz einer Gesellschaft ist, in der jeglicher abweichende politische Ausdruck pauschal kriminalisiert und mit Sondergesetzen und militarisierten Einheiten polizeilich bekämpft wird, darf dabei nicht unberücksichtigt bleiben.

Aber bei all der Erschütterung über die Ereignisse vom Wochenende muss auch gesagt werden:
Es sind zwar apokalyptische, dunkle, rußgeschwärzte Bilder aus unserem Viertel, die um die Welt gingen.
Von der Realität eines Bürgerkriegs waren wir aber weit entfernt.
Anstatt weiter an der Hysterieschraube zu drehen sollte jetzt Besonnenheit und Reflexion Einzug in die Diskussion halten.
Die Straße steht immer noch, ab Montag öffneten die meisten Geschäfte ganz regulär, der Schaden an Personen hält sich in Grenzen.

Wir hatten als Anwohner mehr Angst vor den mit Maschinengewehren auf unsere Nachbarn zielenden bewaffneten Spezialeinheiten als vor den alkoholisierten Halbstarken, die sich gestern hier ausgetobt haben.
Die sind dumm, lästig und schlagen hier Scheiben ein, erschießen dich aber im Zweifelsfall nicht.
Der für die Meisten von uns Gewerbetreibende weit größere Schaden entsteht durch die Landflucht unserer Kunden, die keine Lust auf die vielen Eingriffe und Einschränkungen durch den Gipfel hatten – durch die Lieferanten, die uns seit vergangenem Dienstag nicht mehr beliefern konnten, durch das Ausbleiben unserer Gäste.

An den damit einhergehenden Umsatzeinbußen werden wir noch sehr lange zu knapsen haben.
Wir leben seit vielen Jahren in friedlicher, oft auch freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft mit allen Formen des Protestes, die hier im Viertel beheimatet sind, wozu für uns selbstverständlich und nicht-verhandelbar auch die Rote Flora gehört.
Daran wird auch dieses Wochenende rein gar nichts ändern.
In dem Wissen, dass dieses überflüssige Spektakel nun vorbei ist, hoffen wir, dass die Polizei ein maßvolles Verhältnis zur Demokratie und den in ihr lebenden Menschen findet, dass wir alle nach Wochen und Monaten der Hysterie und der Einschränkungen zur Ruhe kommen und unseren Alltag mit all den großen und kleinen Widersprüchen wieder gemeinsam angehen können.

Einige Geschäftstreibende aus dem Schanzenviertel:
BISTRO CARMAGNOLE
CANTINA POPULAR
DIE DRUCKEREI - SPIELZEUGLADEN SCHANZENVIERTEL
ZARDOZ SCHALLPLATTEN
EIS SCHMIDT
JIM BURRITO’S
TIP TOP KIOSK
JEWELBERRY
SPIELPLATZ BASCHU e.V.”

June 13 2017

11:53
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knusprig-titten-hitler:

“Net neutrality”

11:15
3036 04d2

knusprig-titten-hitler:

“Net neutrality”

January 01 2017

02:03
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November 30 2016

23:06
7325 25a2
15:17

2,8 Millionen über Engel&Völkers...

freelandshoehe:

Die Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal hat nun das Maklerunternehmen Engel&Völkers beauftragt, die Wielandshöhe zu einem Preis von 2,8 Millionen Euro zu verkaufen. Wir bereiten eine Pressekonferenz vor und melden uns wieder…

November 18 2016

15:25

Betteln mit Leuchtreklame by tiegeltuf

September 26 2016

21:32

Zigaretten Rauchen - Surplus - 02 - Systemhouse - SoundCloud

Listen to Zigaretten Rauchen - Surplus - 02 - Systemhouse by Zigaretten Rauchen #np on #SoundCloud

21:27

September 07 2016

00:36
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August 21 2016

15:27

Amerika beschimpft und verachtet seine Armen

“Die Idee eines Nullsummenspiels ist weit- verbreitet: Wenn Schwarze, Einwanderer oder Frauen mehr Rechte erhalten, wird den armen weißen Männern etwas weggenommen. Viele Amerikaner verachten heute, was sie als "unverdiente Privilegien” ansehen, etwa Sozialhilfe oder Krankenversicherung. Zugleich beklagt niemand, dass die Mittelschicht von Steuererleichterungen profitiert und Firmen Subventionen bekommen. Diese Unterstützung wird als gute Investition in die Zukunft angesehen, doch bei Sozialhilfe sind die alten Ressentiments wieder da: Diese faulen Nichtsnutze haben das nicht verdient, und durch die Transfers wird die Arbeitsmoral zerstört.“

August 10 2016

20:44

June 23 2016

09:56

SWR2 Daniel Defoe und die "Poor Palatines"

Die Flüchtlings-Thematik wurde schon vor über hundert Jahren ähnlich besprochen wie heute.

June 15 2016

13:15
7419 5467 500

bluecaptions:

Neural algorithm that “paints” photos based on the style of a given painting.

June 06 2016

12:22
7479 4d36 500

knusprig-titten-hitler:

“lightning strike filmed at 7000 fps”

May 25 2016

10:39
In Brasilien wird die De-facto-Regierung unter dem rechtsgerichteten Politiker Michel Temer von einem Abhörskandal erschüttert, der die Kritik von Widersachern des parlamentarischen Putsches (In Brasilien herrschen jetzt Alte, Reiche, Weiße und Rechte) gegen die gewählte Präsidentin Dilma Rousseff bestätigt. Den Aufnahmen zufolge, die der einflussreichen Tageszeitung Folha de São Paulo zugespielt wurden, hat der bisherige Planungsminister im Kabinett von Temer, Romero Jucá, den Sturz von Rousseff geplant, um Korruptionsermittlungen gegen sich selbst, Temer und andere Vertreter der Oligarchie in Politik und Wirtschaft zu verhindern.
Abhörskandal belegt Putsch in Brasilien | Telepolis

May 22 2016

23:33
„Wir haben einen funktionierenden Niedriglohnsektor aufgebaut, und wir haben bei der Unterstützungszahlung die Anreize dafür, Arbeit aufzunehmen, sehr stark in den Vordergrund gestellt.“ (Bundeskanzler G. Schröder vor dem World Economic Forum 2005 in Davos über die Hartz-IV-Gesetze.)
Armut in Deutschland: Der Suppenküchenstaat wächst - taz.de

May 14 2016

19:01
Ich bin 1966 geboren. Zum ersten Mal illegale oder besser: illegalisierte Drogen habe ich mit 14 genommen. Zuerst Cannabis, dann nach einer zweijährigen Pause LSD, Amphetamine, psilocybinhaltige Pilze, Kokain, Heroin, Opium, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Eine ernstzunehmende Form der Aufklärung gab es damals nicht. Was es gab, waren Verbote, Strafandrohung, Abschreckung. Drogen, hieß es, sind grundsätzlich böse und gefährlich. Diese undifferenzierte Dämonisierung hat meine Freunde und mich genauso wenig abgehalten wie Strafverfolgung und Haftandrohung. Spätestens nach den ersten Rauscherfahrungen war uns klar, dass die Dämonisierung mit unserer Realität und der besonderen Realität des Drogenrausches sehr wenig zu tun hatte.
Erfahrung ǀ Sucht ist keine Willensschwäche — der Freitag

May 13 2016

21:12

Brandfleck Agenda 2010
Denn die Agenda symbolisiert den Verrat des Aufsteigers, der, oben angekommen, mit Verachtung auf die Zurückgebliebenen schaut. Dass sich Schröder im Brioni-Anzug und mit Cohiba fotografieren ließ, passte perfekt in dieses Bild.


Der britische Soziologe Anthony Giddens, damals Stichwortgeber für New Labour, das Pendant der Schröder-SPD, stellt im Rückblick fest, dass Blair & Co Wirtschaftsführer und Unternehmer „unkritisch bewunderten“. In Deutschland war das nicht anders. Zentrale SPD-Akteure wie Wolfgang Clement und Walter Riester hatten in den Organisationen der Arbeiterbewegung Karriere gemacht – und als Minister nichts Eiligeres zu tun, als sich Unternehmern und Versicherungskonzernen anzudienen. Darin ist unschwer die Statusunsicherheit des Aufsteigers zu erkennen – und die Sehnsucht, von der Elite anerkannt zu werden.

Debatte Krise der SPD: Der Verrat des Aufsteigers - taz.de

May 08 2016

16:00
7523 b328 500
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